Kindertransporte aus Chemnitz
Ein Ausstellungsprojekt mit Studierenden
Die Kindertransporte waren eine der größten Flucht- und Rettungsaktionen der Geschichte. Zwischen 1938 und 1940 konnten 10.000 Kinder und Jugendliche aus Deutschland und Österreich, in kleinerer Zahl auch aus der besetzten Tschechoslowakei und Polen nach Großbritannien fliehen. Etwa 5.000 Kinder wurden in Schweden, Frankreich, Belgien, Dänemark, der Schweiz oder den Niederlanden aufgenommen. Aus Chemnitz konnten etwa 50 Kinder gerettet werden.
Lange als Erfolgsgeschichte erzählt, werden die Kindertransporte heute differenzierter gesehen. Zivilgesellschaftliche Träger initiierten unter dem Eindruck der Novemberpogrome 1938 Programme zur Aufnahme und Betreuung jüdischer oder als jüdisch verfolgter Kinder. Doch die Aufnahmeländer ermöglichten nur nach erfolgter Bürgschaft die Einreise. Bei der Auswahl der Kinder spielten zudem Nützlichkeitserwägungen und eigene Bedürfnisse eine Rolle: Junge Mädchen konnten leichter an Pflegefamilien vermittelt werden als jugendliche Jungen. Psychische Belastungen oder körperliche Einschränkungen sorgten meist dafür, dass Kinder nicht gerettet wurden. Der Nachzug der Eltern war fast unmöglich und viele Kinder sahen ihre Familien nie wieder.
Die Ausstellung, entstanden mit Studierenden der TU Chemnitz, stellt exemplarisch einzelne Lebenswege von Kindern vor, die von Chemnitz aus meist allein ihre Reise antraten.