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Logo "Tacheles - Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen 2026". Links ist eine halbe Menorah in blauen Farbtönen zu sehen.

Simon Markel

Als Deutscher interniert und nach Kanada gebracht

Geboren: 16.03.1923 in Chemnitz
Gestorben: 19.04.2008 in Montreal, Kanada

Die Familie Markel

Chana und Feiwel Markel führen einen koscheren Haushalt mit ihren vier Kindern Wolfgang (Willy), Simon, David und Richard. Gemeinsam planen sie eine Auswanderung nach Amerika und besitzen die dafür benötigen Visa. Doch Ende Oktober 1938 werden alle staatenlosen, aus Polen eingewanderten Jüdinnen und Juden aus Deutschland abgeschoben – auch die Familie Markel, die nach Krakau zieht. Von dort versucht Chana Markel, die Flucht ihrer Kinder zu organisieren.

Die Flucht

Im Februar 1939 sollen Simon und sein Bruder David mithilfe des Polish Jewish Refugee Fund (PJRF), eine der zahlreichen Organisationen, die jüdische Kinder aus Deutschland und Europa retten wollen, nach England fliehen. Doch David muss vor der Abreise aus Kapazitätsgründen wieder aussteigen. Simon Markel reist somit allein nach England und kommt nach Leeds. Dort angekommen bemüht er sich, auch seinen Brüdern die Flucht zu ermöglichen. Er schreibt zahlreiche Briefe an den PJRF, doch seine Mühe blieb erfolglos. Seine Eltern und die drei Brüder wurden vermutlich in Auschwitz ermordet.

Das Leben danach

Bei seiner Ankunft in Leeds wird Markel fälschlicherweise als deutscher Staatsbürger registriert. Obwohl er versucht, dies ändern zu lassen, wird er im Mai 1940 als „feindlicher Ausländer“ interniert und später in das Internierungslager Fort Lennox auf Île-aux-Noix, nahe Quebec, Kanada, gebracht. 1941 wird sein Status geändert, doch Markel beschließt, in Kanada zu bleiben. Nach seiner Entlassung arbeitet er als Ingenieur und lebt in Montreal. Seine Frau Miriam übergibt dem Montrealer Holocaust Museum 2011 die Tefillin (Gebetsriemen), die Chana Markel ihrem Sohn vor der Flucht mitgab.