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Logo "Tacheles - Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen 2026". Links ist eine halbe Menorah in blauen Farbtönen zu sehen.

Ruth & Eva Schwarz

Über Bremen nach Wales

Ruth Bettina Schwarz
Geboren am 18. November 1924 in Chemnitz
Gestorben 2012

Eva Helga Schwarz
Geboren am 24. Oktober 1928 in Chemnitz
lebt in Cardiff, Wales

Kindheit

Die Schwestern wachsen in Chemnitz auf. Ihre Mutter Ottilie, geb. Nathansohn, stammt aus Dresden, ihr Vater Idel Ignatz Schwarz aus Polen und betreibt in Chemnitz eine Strumpffabrik mit Großhandel. Die Familie lebt zuletzt in der Andreasstr. 2 im Lutherviertel.

Verfolgung und Trennung der Familie

Am 28.10.1938 wird der Vater nachts, im Zuge der Ausweisung polnischer Juden, verschleppt und kommt in Łódź unter. Ottilie führt das Geschäft ihres Mannes bis März 1939 weiter, bevor sie es aufgeben muss. Alle Pläne, als gesamte Familie in die USA auszuwandern, scheitern.

Am 11.6.1938, einen Tag vor der Abreise aus Chemnitz, schreibt Ottilie Schwarz Eva einen Abschiedsbrief:

Mein liebes Evchen,
heute am letzten Tag vor Deiner Ausreise aus Deutschland schreibe ich Dir diese Zeilen auch im Namen des lieben Vati und wünsche Dir, daß Du stets ein braver Mensch sein sollst und Deinen Eltern stets nur Freude bereiten möchtest. Der liebe Gott schütze Duch und behüte Dich und segne Deinen Eingang und Deinen Ausgang!
In steter Liebe und Sorge
Deine Mutti

Flucht nach England

Am 13.6.1939 fliehen Ruth (14) und Eva (10) mit dem Dampfer Europa von Bremen nach Southampton. Mit an Bord sind vier weitere Kinder aus Chemnitz und insgesamt etwa zweihundert Kinder aus ganz Deutschland.

Ein Stempel in Evas Kinderreisepass belegt die Ankunft in Southhampton am Tag danach.

Ankunft in Cardiff & das Leben danach

Nach der Ankunft werden Eva und Ruth getrennt. Eva wird in Cardiff von Margery Kaye und ihrer Tochter Phillippa aufgenommen, Ruth kommt zu Kayes Freundin, Frau Phillips. Aus Briefen an Margery Kaye, die ihr Enkel Paul Seligman gesammelt hat, geht hervor, wie die Flucht und Bürgschaft für die Unterbringung der Kinder im Vorfeld organisiert wurden. Vor allem durch persönliche Kontakte wurde versucht, mögliche Pflegefamilien zu finden.

Ruth und Eva sind die einzigen Überlebenden der Familie. Der Verbleib der Eltern ist ungeklärt. Vermutlich folgt Ottilie ihrem Mann nach Łódź. Ob sie im Ghetto sterben oder deportiert und an derer Stelle ermordet werden, ist unklar.

Eva und Ruth bleiben in Wales. Ruth, später Ruth Bettina Vine, stirbt 2012. Eva arbeitet als Pharmavertreterin und heiratet 1949 Harry Gibbor. 1950 wird ihr Sohn Ian geboren.

Eva Gibbor lebt noch immer in Cardiff. 2025 wird sie für den Film "Wales: A Home from Home" interviewt.