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Logo "Tacheles - Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen 2026". Links ist eine halbe Menorah in blauen Farbtönen zu sehen.

Steffi-Carola Leyser (Stephanie Kester)

Mit Handpuppe und einem Koffer nach England

Geboren: 26.02.1927 in Chemnitz
Gestorben: 03.10.2019 in London

Kindheit in Chemnitz

Steffi-Carola Leyser wird am 26.02.1927 in Chemnitz als einziges Kind des jüdischen Unternehmers Martin Leysers und seiner Ehefrau Paula, geb. Sommerfeld, geboren. Ihre Kindheit ist geprägt von familiärer Geborgenheit. Ab 1935 erlebt sie Ausgrenzung in der Schule und wird 1938 in die neugeschaffenen „jüdischen Sonderklassen“ zwangsversetzt. 1939 muss der Vater die Fabrik zwangsweise verkaufen.

Flucht nach England

Nach den prägenden Erfahrungen in der Schule und den Novemberpogromen 1938 flieht sie im Februar 1939 mit einem Kindertransport nach England. Sie fährt getrennt von ihren Eltern, die ihr aber wenige Wochen vor Kriegsbeginn 1939 folgen können. Steffis Gepäck besteht aus nur wenigen Habseligkeiten: in ihrem vollgestopften Rucksack und einer kleinen Tasche befinden sich ihr Teddybär, eine Katzenhandpuppe ihres Onkels und ein Geometrieset ihres Vaters. Durch Verwandte findet Steffi Kontakt zu einer Familie, die sie bei sich aufnehmen. Zu der jüngsten Tochter entwickelt sich eine gute Freundschaft, die auch nach Kriegsende anhält. Steffi besucht Schulen in Warwickshire und Birmingham, während sich ihre Eltern als Flüchtlinge um Anerkennung bemühen.

Das Leben danach

Dank eines Stipendiums studiert sie an der Kunsthochschule in Birmingham und beginnt eine Karriere in der Modebranche. 1957 heiratet sie Simon Kester. Neben Besuchen in Chemnitz (1993 und 1997) widmet sie sich ihrer Familie und der Wohltätigkeitsorganisation Women's International Zionist Organisation. Steffi lebt mit ihrem Mann und den beiden gemeinsamen Kindern in London.

1997 gibt sie der USC Shoah Foundation, die Steven Spielberg im Zuge der Dreharbeiten zu Schindlers Liste gründet, ein Interview und berichtet von ihrem Leben in Chemnitz und der Flucht nach England. 2007 wird sie für das Imperial War Museum in London erneut interviewt. Das Museum bewahrt die wenigen Dinge auf, die Steffi Kester aus Chemnitz mitnehmen konnte: die Handpuppe, ein Geometrieset, ihren Lederkoffer, ein Portemonnaie und eine seidene Hülle für ein Gebetbuch.

Stephanie Kester, wie sie sich in England schreibt, stirbt 2019 im Alter von 92 Jahren. Wenige Wochen nach ihr stirbt ihr Mann Simon. Beide sind auf dem Waltham Abbey Jewish Cemetery bei London begraben.