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Logo "Tacheles - Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen 2026". Links ist eine halbe Menorah in blauen Farbtönen zu sehen.

Franz Theodor Cohn

Über Rügen nach Schweden

Geboren: 18.03.1927 in Chemnitz
Gestorben: 29.04.2023 in Stockholm

Familie und Leben in Chemnitz

Franz lebt mit seinen Eltern Margot und Fritz sowie seinen älteren Schwestern Hanna und Hildegard in einer großen Wohnung auf dem Kaßberg. Margots Leidenschaft ist das Klavierspielen, welches sie auch Franz lehrt. Fritz ist promovierter Rechtswissenschaftler und spielt gern Geige. Gemeinsam nehmen sie an Veranstaltungen der jüdischen Gemeinschaft teil. Franz spielt Fußball in einem jüdischen Sportverein und ist begeistert von elektronischen Prozessen. Bereits mit neun Jahren baut er ein Mikrophon mit der Absicht, seine Eltern abzuhören.

Die Flucht

Eine seiner schmerzlichsten Erfahrungen, so beschreibt er es später, war der Eintritt seines besten Freundes in die Hitlerjugend. Kurz darauf, im Februar 1938, wird er des Lateingymnasiums verwiesen. Seine Mutter engagiert daraufhin einen privaten Englischlehrer, bis Franz im Dezember 1938 auf eine Internatsschule in Berlin wechselt. Am 16.01.1939 flieht er in einem Kindertransport aus Berlin nach Schweden. In Sassnitz auf Rügen werden die Kinder einer strengen Inspektion unterzogen. Franz‘ Schwestern gelingt die Flucht nach Argentinien und England, seine Eltern fliehen nach Asker bei Oslo.

Das Leben danach

Franz besucht eine schwedische Schule. Im Sommer 1939 und in den Osterferien 1940 besucht er seine Eltern in Norwegen, kehrt aber nach Schweden zurück. Sie halten per Brief Kontakt. Die letzten Nachrichten seiner Eltern erhält er im November 1942 als die Deportation bevorsteht, die Franz von Schweden aus nicht verhindern kann. Nur Tage später werden Margot und Fritz Cohn nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Franz Cohn legt ein Examen als Ingenieur in Teletechnik an Stockholms Technischem Institut ab, absolviert einen Militärdienst in einer Radiowerkstatt und macht sich schließlich selbstständig als Unternehmer in Hochtechnologie. Am 14.11.1948 heiratet er seine Frau Eva in Stockholms größter Synagoge. In seiner Biographie schreibt er: „Wenn ich mir unsere drei Kinder und sieben Enkelkinder anschaue […] so fühle ich ein großes Glück. So haben wir Hitler besiegt.“