Walter Benjamin und Stefan Zweig
Vortrag Marian Nebelin (Chemnitz) im Rahmen der Vorlesungsreihe "Jüdische Kultur und Erinnerung im transnationalen Kontext"
Staatliches Museum für Archäologie Chemnitz
Stefan-Heym-Platz 1
09111 Chemnitz
Stefan Zweig war zu Lebzeiten der meistgelesene Autor deutscher Sprache. Seine Werke fanden und finden weltweit Beachtung. Walter Benjamin hingegen wurde erst posthum zu einer zentralen Figur der Literatur‑ und Kulturwissenschaften; zu Lebzeiten war er vor allem in intellektuellen Kreisen bekannt. Die Lebenswege von Benjamin und Zweig berührten sich nur kurz, beide Autoren aber nahmen sich unter dem Eindruck nationalsozialistischer Verfolgung das Leben. Ihre Biographien eröffnen einen vielschichtigen Blick auf die intellektuelle Landschaft des 20. Jahrhunderts. Beide Autoren entstammten vermögenden Elternhäusern, gehörten weitreichenden Netzwerken an, verkörperten jedoch unterschiedliche kulturelle Positionen – Zweig als Vertreter der literarischen Elite, Benjamin als Angehöriger der Avantgarde. Beide erlebten Flucht und Exil, jedoch unter ungleichen Voraussetzungen: Zweig, international gefeiert, litt vor allem unter der politischen Lage, während Benjamin zusätzlich existenziell bedroht war. Der Vortrag beleuchtet ihre Lebenswege, ihre momenthafte biographische Überschneidung sowie ihre je eigene Beziehung zum Judentum, aus der für sie Inspirationen erwuchsen, die ihren Werken ihre besondere Signatur verleihen.
Organisiert wird die Ringvorlesung von Prof. Dr. Teresa Pinheiro, Inhaberin der Professur Kultureller und Sozialer Wandel an der TU Chemnitz, und Prof. Dr. Cecile Sandten, Inhaberin der Professur Anglistische Literaturwissenschaft der TU Chemnitz in Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Museum für Archäologie Chemnitz, den Tagen der jüdischen Kultur e.V. sowie den Freunden des smac e.V.
Zur Person
Marian Nebelin studierte in Dresden und Paris Geschichte, evangelische Theologie und Philosophie/Ethik. Seit 2023 ist er Inhaber der Professur „Geschichte der Antike und der Antikerezeption in der Moderne“ an der Technischen Universität Chemnitz. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Kulturgeschichte des Politischen in der Antike, die Geschichte der Antikerezeption, die Wissenschaftsgeschichte und die Geistes-, Kultur- und Ideengeschichte des 19. bis 21. Jahrhunderts. Wichtige Veröffentlichungen: Walter Benjamin und die Besiegten. Theologie – Verlust – Geschichte, Poetica 96, Hamburg 2007; Europas imaginierte Einheit. Kulturgeschichte und Antikerezeption bei Stefan Zweig, Archiv für Kulturgeschichte. Beih. 96, Köln 2024.
Zur Vorlesungsreihe
Jüdische Kultur und Erinnerung im transnationalen Kontext
Sommersemester 2026, mittwochs 18:15 Uhr im Vortragssaal, smac
Im Rahmen des Themenjahres Tacheles. Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen 2026 lädt die Ringvorlesung im Sommersemester 2026 zu einer vielstimmigen Auseinandersetzung mit jüdischer Kultur, Geschichte und Erinnerung ein. Internationale und interdisziplinäre Perspektiven eröffnen Einblicke in jüdisches Leben in Vergangenheit und Gegenwart – über nationale, sprachliche und kulturelle Grenzen hinweg.
Im Mittelpunkt stehen literarische, historische sowie kultur- und erinnerungstheoretische Fragestellungen, die die Vielfalt jüdischer Erfahrungen, Ausdrucksformen und transnationalen Verflechtungen sichtbar machen. Die Vortragsreihe verbindet aktuelle Forschung mit innovativen Ansätzen und rückt insbesondere die Bedeutung jüdischer Akteurinnen und Akteure für die europäische Moderne und die Erinnerungskultur in den Fokus.
Die Ringvorlesung versteht sich als offenes Forum für Austausch und kritische Reflexion und lädt dazu ein, Kontinuitäten, Brüche und bislang wenig beachtete Leerstellen jüdischer Kulturgeschichte neu zu denken.
Organisation: Prof. Dr. Teresa Pinheiro (Professur Kultureller und Sozialer Wandel, Technische Universität Chemnitz) Prof. Dr. Cecile Sandten (Professur Anglistische Literaturwissenschaft, Technische Universität Chemnitz), in Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Museum für Archäologie Chemnitz, den Tagen der jüdischen Kultur e.V. sowie den Freunden des smac e.V.
Barrierefreiheit auf der Veranstaltung
Über den Veranstalter
Die Technische Universität Chemnitz ist eine weltoffene Universität, die regional, national und international stark vernetzt ist. Mit rund 8.300 Studierenden aus 94 Ländern und etwa 2.400 Beschäftigten ist sie die drittgrößte Hochschule in Sachsen. Bezogen auf den Anteil ausländischer Studierender belegt die TU Chemnitz unter den staatlichen Universitäten bundesweit eine Spitzenposition. Chemnitz gehört einer aktuellen Studie des Forschungsinstituts Prognos zufolge zu den zehn lebenswertesten Großstädten Deutschlands und ist damit Spitzenreiter in Sachen Lebensqualität. Die Stadt kann zudem auf einen hohen Anteil hochqualifizierter Beschäftigter verweisen. Dies verdankt sie auch ihrer Universität, denn die TU Chemnitz ist das intellektuelle Herz der Stadt. Sie hat sich zu einem international sichtbaren Forschungsstandort für künftige Wertschöpfungsprozesse und nachhaltige Zukunftssicherung entwickelt.
