Sichtbar/Unsichtbar. Vier Kippot und die Entstehung des jüdischen Lebens in Europa
Vortrag auf Englisch mit Itamar Ben Ami (Utrecht)
Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur - Simon Dubnow
Goldschmidtstraße 28
04103 Leipzig
Seit dem 7. Oktober 2023 ist das Sicherheitsgefühl der europäischen Juden erschüttert, und die Frage nach der »jüdischen Sichtbarkeit« ist dringlich geworden: Soll man sein Judentum verbergen oder zur Schau stellen?
Dieser Vortrag schlägt vor, die jüdische Kippa nicht als Judaica zu betrachten, sondern als Schicksalsobjekt, das vier verschiedene Arten des Judeseins im heutigen Europa kennzeichnet: von der religiösen Diskretion des »privatisierten« Judentums, das die Kippa unauffällig trägt; über das trotzige Tragen der Kippa als liberalen Protest gegen Unsicherheit – eine gegenprivate Haltung; über eine offene und selbstbewusste Präsenz, die den öffentlichen Raum mitgestalten will und öffentliches Judentum praktiziert; bis hin zur Kippa als Teil einer unverwechselbaren Kleidung, die darauf abzielt, eine alternative ultraorthodoxe Welt aufzubauen – ein gegenöffentliches Judentum. Diese konkurrierenden Kippas bieten eine konkrete Grundlage, um über die Politik der Sichtbarkeit, der Sicherheit, der Staatsbürgerschaft und des jüdischen Raums im heutigen Europa nachzudenken.
Eine Veranstaltung im Rahmen der Jüdischen Woche Leipzig
Über den Veranstalter
Das Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow (DI) mit Sitz in Leipzig erforscht interdisziplinär und epochenübergreifend jüdische Lebenswelten im mittleren und östlichen Europa von der Neuzeit bis in die Gegenwart. Die Forschungsarbeit nimmt eine gesamteuropäische Perspektive ein und schließt die Räume der jüdischen Emigration, insbesondere Israel sowie Nord- und Lateinamerika, mit ein.
