Schicksalhafte Saiten
Musikalische Lesung zu Ilse Weber | 15 Uhr & 19:30 Uhr
Schloss Klippenstein
Schloßstraße 6
01454 Radeberg
Musikalische Lesung mit der Schauspielerin und Sprecherin Sibylle Kuhne, Lewin Krumpschmid am Klavier sowie einer Einführung durch Elisabeth Geldmacher, SLUB Dresden.
Die jüdische Schriftstellerin und Liedermacherin Ilse Weber (1903–1944) gehört zu den eindrucksvollsten Stimmen aus dem Ghetto Theresienstadt. Als Dichterin, Sängerin und Mutter schrieb sie dort Gedichte und einfache Lieder, mit denen sie kranke und verängstigte Kinder tröstete. Oft begleitete sie sich selbst auf der Gitarre. Zu ihren bekanntesten Liedern gehört das Schlaflied ‚Wiegala‘, das sie für die Kinder der Krankenstation schrieb. Diese Lieder wirken schlicht, beinahe wie Kinderlieder – und tragen doch die ganze Erfahrung von Verlust, Angst und Hoffnung in sich.
Als 1944 die Kinder aus der Krankenstube nach Auschwitz deportiert wurden, weigerte sich Ilse Weber, sie allein zu lassen. Sie begleitete sie freiwillig in den Transport. Dort wurde sie zusammen mit ihrem Sohn ermordet. Zeugnisse berichten, dass sie auf dem Weg in die Gaskammer sang, um die Kinder zu beruhigen. Ihre Gedichte und Lieder überlebten den Krieg – verborgen und später wiederentdeckt. Heute gelten sie als leise, aber eindringliche Zeugnisse menschlicher Würde und künstlerischer Kraft unter unmenschlichen Bedingungen.
Der Abend ‚Schicksalhafte Saiten‘ erinnert an diese Stimme: an Texte, die geblieben sind, und an Lieder, deren einfache Melodien bis heute weiterklingen.
In Kooperation mit der SLUB Dresden, ‚Kommen & Gehen‘ und der ‚Leipziger Notenspur‘.
Lewin Krumpschmid ist ein vielseitig auftretender Musiker und bringt seine Erfahrung in unterschiedlichsten Kontexten ein. So lässt er sein klassisches Repertoire bei Konzerten und Festivals erklingen und ist gleichzeitig auch als Keyboarder der Progressive-Metal-Band Soulsplitter sowie als Dozent in diesem Bereich aktiv.
Über den Veranstalter
Das „Kommen und Gehen“ ist ein Klassik-, aber kein klassisches Musikfestival! Es ist Tummelplatz für lautes und mächtiges, virtuoses und rasantes, stilles und kleines Musizieren. Ob als Bühne oder Begegnungsraum, Laboratorium oder Schatzkammer: Das „Kommen und Gehen“ öffnet Ohren neu – nicht nur für Musik.
Begegnungen und schöpferische Kooperationen zwischen MusikerInnen unterschiedlicher Stile, kreative Auseinandersetzung mit dem regionalen kulturellen Erbe und aktuellen Fragestellungen, partizipative Workshop-Angebote im interkulturellen Kontext und Kooperationen mit Kultur- und Bildungsträgern der Region bieten mehr als reine Konzerterlebnisse.
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