Sichtbare und unsichtbare Spuren jüdischer Kultur in Meißen und Chemnitz
Vortrag von Martin Clauss, Lewis Chuang (Chemnitz) und Christiane Donath (Meißen) im Rahmen der Vorlesungsreihe "Jüdische Kultur und Erinnerung im transnationalen Kontext"
Staatliches Museum für Archäologie Chemnitz
Stefan-Heym-Platz 1
09111 Chemnitz
Vielerorts zeugen heute noch erhaltene archäologische Funde von der langen Geschichte jüdischen Lebens in Sachsen. Anhand zweier Beispiele thematisiert der Vortrag, wie jüdische Kultur ihre Spuren hinterlassen hat und wie wir heute mit diesem Erbe umgehen.
Der erste Teil des Vortrags widmet sich den Bruchstücken mittelalterlicher jüdischer Grabsteine mit hebräischen Inschriften in Meißen, die die ältesten überlieferten Sachzeugnisse jüdischen Lebens in Sachsen darstellen. Sämtliche Fragmente stammen vom ehemaligen jüdischen Friedhof auf dem Meißner Jüdenberg, der als zentrale Begräbnisstätte der mittelalterlichen jüdischen Gemeinde von Meißen und Dresdner diente. Wie man anhand von teilweise nur wenigen Buchstaben zu einer Erzählung kommt, welche tragende Rolle im Kulturerbe diese Steine spielen und wie wir heute mit diesen Schätzen bewahrend umgehen können – diesen Fragen geht der erste Teil des Vortrags nach.
Der zweite Teil richtet den Blick auf die Mikwe in Chemnitz sowie auf das Lern-Lehrprojekt ARCHIVE (Augmented Reality in Chemnitz für historische, inklusive und virtuelle Erlebnisse) der TU Chemnitz. Im Zuge von Bauarbeiten wurde 2022 in der Nähe der Johanniskirche in Chemnitz eine frühneuzeitliche Mikwe entdeckt, ein jüdisches Ritualbad, welche das älteste Zeugnis jüdischer Tradition in der Stadt darstellt. Sie wurde aus konservatorischen Gründen wieder verfüllt, so dass sie derzeit nicht sichtbar oder zugänglich ist. Durch den Einsatz von AR kann die Mikwe trotz ihrer Untergrundlage erlebbar gemacht werden, um sie als Element jüdischer Kultur in Chemnitz zu bewahren. Wir präsentieren verschiedene Perspektiven von Interessengruppen zu den potenziellen Bedürfnissen und Anforderungen dieser Anwendung und freuen uns über Feedback und Ideen für die weitere Entwicklung.
Organisiert wird die Ringvorlesung von Prof. Dr. Teresa Pinheiro, Inhaberin der Professur Kultureller und Sozialer Wandel an der TU Chemnitz, und Prof. Dr. Cecile Sandten, Inhaberin der Professur Anglistische Literaturwissenschaft der TU Chemnitz in Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Museum für Archäologie Chemnitz, den Tagen der jüdischen Kultur e.V. sowie den Freunden des smac e.V.
Zu den Personen
Martin Clauss leitet an der TU Chemnitz die Professur für die Geschichte Europas im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit.
Lewis Chuang Lewis Chuang ist Professor für Mensch und Technik an der Technischen Universität Chemnitz. Seine Forschungsschwerpunkte im Bereich Mensch-Computer-Interaktion umfassen: Aufmerksamkeits- und Unterbrechungsmanagement, digitales Lernen und digitale Kompetenz sowie assistive Technologien. Weitere Informationen: https://mytuc.org/pymd
Christiane Donath, M.A. ist Theologin, Judaistin und Archivwissenschaftlerin. Sie studierte in Leipzig, Halle, Kairo, Jerusalem und Heidelberg. In den Jahren 2002/03 erforschte und publizierte sie „Misnia Judaica – Mittelalterliche hebräische Grabinschriften in Meißen und die Geschichte der Juden in der Mark Meißen bis zum 15. Jahrhundert“ (2004) und „Anfänge Jüdischen Lebens in Sachsen“ im Sammelband Juden in Sachsen (2013). Im Rahmen von Tacheles ist sie Kuratorin der Ausstellung „Jüdisches Leben in Meißen“, welche vom 5.7.- 5.12. 2026 in der Frauenkirche in Meißen zu sehen sein wird. Christiane Donath lebt und arbeitet in Leipzig als Hebräischdozentin an der VHS Leipzig sowie als Religionspädagogin und Schulseelsorgerin beim Ev. Luth. Kirchenbezirk Leipzig. Sie ist Mitglied im Netzwerk „Narrt“, dem Netzwerk für Antirassismus- und Antisemitismuskritische Theologie und Religionspädagogik sowie im Fachnetzwerk gegen Antisemitismus in Sachsen.
Zur Vorlesungsreihe
Jüdische Kultur und Erinnerung im transnationalen Kontext
Sommersemester 2026, mittwochs 18:15 Uhr im Vortragssaal, smac
Im Rahmen des Themenjahres Tacheles. Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen 2026 lädt die Ringvorlesung im Sommersemester 2026 zu einer vielstimmigen Auseinandersetzung mit jüdischer Kultur, Geschichte und Erinnerung ein. Internationale und interdisziplinäre Perspektiven eröffnen Einblicke in jüdisches Leben in Vergangenheit und Gegenwart – über nationale, sprachliche und kulturelle Grenzen hinweg.
Im Mittelpunkt stehen literarische, historische sowie kultur- und erinnerungstheoretische Fragestellungen, die die Vielfalt jüdischer Erfahrungen, Ausdrucksformen und transnationalen Verflechtungen sichtbar machen. Die Vortragsreihe verbindet aktuelle Forschung mit innovativen Ansätzen und rückt insbesondere die Bedeutung jüdischer Akteurinnen und Akteure für die europäische Moderne und die Erinnerungskultur in den Fokus.
Die Ringvorlesung versteht sich als offenes Forum für Austausch und kritische Reflexion und lädt dazu ein, Kontinuitäten, Brüche und bislang wenig beachtete Leerstellen jüdischer Kulturgeschichte neu zu denken.
Organisation: Prof. Dr. Teresa Pinheiro (Professur Kultureller und Sozialer Wandel, Technische Universität Chemnitz) Prof. Dr. Cecile Sandten (Professur Anglistische Literaturwissenschaft, Technische Universität Chemnitz), in Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Museum für Archäologie Chemnitz, den Tagen der jüdischen Kultur e.V. sowie den Freunden des smac e.V.
Barrierefreiheit auf der Veranstaltung
Über den Veranstalter
Die Technische Universität Chemnitz ist eine weltoffene Universität, die regional, national und international stark vernetzt ist. Mit rund 8.300 Studierenden aus 94 Ländern und etwa 2.400 Beschäftigten ist sie die drittgrößte Hochschule in Sachsen. Bezogen auf den Anteil ausländischer Studierender belegt die TU Chemnitz unter den staatlichen Universitäten bundesweit eine Spitzenposition. Chemnitz gehört einer aktuellen Studie des Forschungsinstituts Prognos zufolge zu den zehn lebenswertesten Großstädten Deutschlands und ist damit Spitzenreiter in Sachen Lebensqualität. Die Stadt kann zudem auf einen hohen Anteil hochqualifizierter Beschäftigter verweisen. Dies verdankt sie auch ihrer Universität, denn die TU Chemnitz ist das intellektuelle Herz der Stadt. Sie hat sich zu einem international sichtbaren Forschungsstandort für künftige Wertschöpfungsprozesse und nachhaltige Zukunftssicherung entwickelt.
