LTI oder der Übertritt von Sprache zum Unmenschlichen
Was Sprache mit dem Aufstieg der Nationalsozialisten zu tun hat. Ein Abend über Victor Klemperer. Das Leipziger KlangProjekt und Axel Thielmann.
Die Herkuleskeule
Schlossstraße 2
01067 Dresden
Ein besonderer Abend in der Herkuleskeule: An einem 9. November brannten in Deutschland die Synagogen – was auch mit Sprache zu tun hatte. Mit der LTI - der Sprache des sogenannten Dritten Reiches -, wie sie der Dresdner Sprachwissenschaftler Victor Klemperer beschrieb, der selbst Jude war. Durch Hitlers „Mein Kampf“ war die Sprache des Nationalsozialismus schon 1925 in allen Grundzügen buchstäblich fixiert. Durch die „Machtübernahme“ wurde sie 1933 zur Volkssprache und bemächtigte sich aller öffentlichen und privaten Lebensgebiete.
Victor Klemperer führte in diesen dunklen Jahren Tagebuch. Ein grausiges Dokument des Lebens und Sterbens in dieser Zeit; aber auch der Verarmung der Sprache. Dass Klemperer überlebte, verdankt er ausgerechnet dem dramatischen Sterben der Menschen und seiner Heimatstadt Dresden in der Bombennacht des 13. Februar 1945. Im Chaos nach diesem Feuersturm kann er untertauchen und der Gestapo entgehen. Drei Tage bevor er und die letzten 70 noch in Dresden verbliebenden Juden ebenfalls in den Gaskammer-Tod geschickt werden sollten.
Am 9. November stellt Axel Thielmann gemeinsam mit dem Leipziger KlangProjekt in einem sehr emotionalen literarisch-musikalischen Programm die Sprache der Nazis und das Leben Klemperers in den Mittepunkt. Seine Texte sind dabei hochaktuell ...
Über den Veranstalter
Die Herkuleskeule ist seit 65 Jahren für mutiges, streitbares und vor allem politisches Kabarett bekannt. Das Ensemble um seinen künstlerischen Leiter Philipp Schaller ist überzeugt, dass gerade die aktuelle Zeit kritische Satire braucht. Satire, die keine Meinungen vorgibt, sondern die Menschen lieber selbst zu Ende denken lässt.
