Basisdemokratie im Gesundheitswesen. Die Pädiaterin Ingeborg Rapoport (1912–2017)
Vortrag von Prof. Dr. Sabine Schleiermacher, Charité
WER-1045/ Werner-Bau
Brennhausgasse 14
09599 Freiberg
Ingeborg Rapoport wurde 1969 als erste Frau in Europa zur ordentlichen Professorin für Pädiatrie (Neonatologie) an die Charité in Berlin-Ost berufen. Rapoport, die in Hamburg Medizin studiert hatte, war 1938 aufgrund der Verfolgung mittels der „Nürnberger Gesetze“ in die USA emigriert. In den USA sah sie sich gezwungen, sich nochmals für den Beruf der Ärztin zu qualifizieren. Die dadurch geforderte Auseinandersetzung mit einer anderen Bildungskultur wie einem anderen Verständnis von Medizin erlebte sie als Chance. Die dabei erworbenen Kompetenzen prägten ihr weiteres Handeln. Aus Angst vor politischer Verfolgung musste sie mit ihrer Familie 1950 die USA verlassen.
Nach einem längeren Aufenthalt in Österreich zogen die Rapoports 1952 nach Berlin Ost. Damit hatte Ingeborg Rapoport ein zweites Mal ein Land verlassen, zu dem sie sich kulturell wie auch sozial zugehörig fühlte. In der DDR erhielt sie umgehend eine Anstellung in der Praxis. Nach einem Jahr wechselte sie in den Wissenschaftsbetrieb und engagierte sich mit ihrer wissenschaftlichen Expertise sowie als „sozialistische Patriotin“ bis 1990 im Fach Perinatologie und der Gesundheitspolitik.
