Siegmund Rotstein
Prägende Figur der Chemnitzer Gemeinde
* 30.11.1925 in Chemnitz
✡ 06.08.2020 in Chemnitz
Leben und Wirken
Matthias Siegmund Rotstein wird 1925 als Sohn des aus Russisch-Polen stammenden Handelsmanns Jankel Hersch Rotstein geboren. Er lebt mit seinen vier Geschwistern und den Eltern auf dem Chemnitzer Sonnenberg in der Alexanderstraße 1 (heute Ludwig-Kirsch-Straße) und besucht die Lessingschule.
1938 fängt er eine Schneiderlehre an, und im November des Jahres soll seine Bar Mitzwa stattfinden – aufgrund des Novemberpogroms wird diese verschoben und 1939 bei Kantor Hartwig Langenbach nachgeholt.
Zeit im Nationalsozialismus
Im September 1939 wird der Vater verhaftet und nach Warschau in das Ghetto verschleppt, wo er verhungert.
Ein Jahr später ist Siegmund in Havelberg (Mark) „auf Hachschara“, der systematischen Vorbereitung jüdischer Menschen auf die Auswanderung nach Palästina, und im Vorbereitungslager Beth Noar in Hamburg. Im Mai 1941 reist er weiter zum Landgut Ahrensdorf bei Luckenwalde, im Oktober siedelt er nach Berlin über, wo er unter anderem Hilfsarbeiten auf dem Jüdischen Friedhof in Weißensee leistet.
Als er im April 1942 nach Chemnitz zurückkehrt, wird er sofort zur Zwangsarbeit in der Beleuchtungskörperfabrik E. F. Barthel in Altchemnitz verpflichtet und seit 1943 in der Wehrabteilung eingesetzt.
Deportation
Am 14. Februar 1945 wird er mit seinem Bruder Roland nach Theresienstadt deportiert und im Abbruch- und Tiefbaukommando zwangseingesetzt.
Zurück in Chemnitz
Nach der Befreiung kehrt er am 9. Juni 1945 nach Chemnitz zurück. Er gründet die Jüdische Gemeinde Chemnitz mit, bevor er weiterhin das Schneiderhandwerk erlernt und die Meisterschule besucht.
1950 heiratet er Marianne Braeuer, zwei Jahre später bringen sie eine Tochter zur Welt.
Leben in Chemnitz
Ab 1956 hat Rotstein leitende Funktionen bei den CENTRUM Warenhäusern in Karl-Marx-Stadt inne und arbeitet bis 1986 als stellvertretender Fachdirektor im Handel für den Verkauf.
In der Jüdischen Gemeinde ist er seit 1961 Mitglied im Gemeindevorstand, 1966 ist er dann Vorstandsvorsitzender. Er wird in den Beirat des Verbandes der Jüdischen Gemeinden in der DDR gewählt und ist erst seit 1969 Vizepräsident, im März 1988 Präsident der Organisation. In dieser Position ist er an den Vorbereitungen der Feierlichkeiten in der DDR zum 50. Jahrestag der Novemberpogrome 1988 wesentlich beteiligt. Nach der Wiedervereinigung wird er 1990 bis 1995 Vorsitzender des Landesverbandes Sachsen-Thüringen und in das Direktorium des Zentralrats der Juden in Deutschland aufgenommen. Bis 2002 ist er Vorsitzender des Landesverbands Sachsen und maßgeblicher Initiator des Baus der neuen Synagoge am Kapellenberg in Chemnitz.
Als Vorstandsvorsitzender der Jüdischen Gemeinde ist er bis 2006 tätig, ein Jahr später wird er als Ehrenbürger der Stadt Chemnitz ausgezeichnet.
2006 stirbt seine Ehefrau. Am 6. August 2020 stirbt er in Chemnitz und wird auf dem Jüdischen Friedhof beigesetzt.
Zu seiner Ehrung findet am 3. Dezember 2025 ein Podiumsgespräch im Chemnitzer Rathaus zu seinem 100. Geburtstag statt.






