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Logo "Tacheles - Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen 2026". Links ist eine halbe Menorah in blauen Farbtönen zu sehen.

Siegbert Fechenbach

Organisator der Wiedergründung

* 06.09.1892 in Bad Mergentheim (Baden-Württemberg)
✡ 27.11.1967 in Berlin (West)

Leben und Wirken

Siegbert Fechenbach wächst mit seinen Eltern Noe Fechenbach (Bäckermeister) und Rosalie Weikersheim sowie mehreren Geschwistern in Bad Mergentheim auf. Nach dem Besuch der Realschule lebt er bis Ende 1912 in Würzburg. Danach ist er vorübergehend Abteilungsleiter der Strumpffabrik Gebrüder Kahn in Chemnitz. 1914 nimmt er am Ersten Weltkrieg im Heeresdienst als Musketier teil, wird verwundet und landet 1915 in einem Lazarett, wo ihm der rechte Unterschenkel verkürzt wird.

Nach dem Krieg heiratet er am 27. April 1918 Anna Voigt aus Brandenburg, mit der er einen Sohn hat. Zeitgleich arbeitet er als Prokurist der Strumpffabriken Gebrüder Sussmann in Chemnitz und Meinersdorf (Burkhardtsdorf). Während der Novemberrevolution 1918/19 ist er Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates in Chemnitz, Leiter des Wirtschaftsamtes im Arbeiterrat, und Mitglied der SPD. 1919/20 ist er Gewerkschaftsbeamter des Zentralverbandes der Angestellten.

Von Januar 1920 bis 1922 ist er erster Geschäftsführer des Einkaufshauses der Brüder Schocken in Chemnitz und wird Mitglied im Vorstand der Israelitischen Religionsgemeinde.

Buchenwald

Im Frühjahr 1933 wird Fechenbach drei Wochen in "Schutzhaft" genommen, vermutlich im Kaßberg-Gefängnis. Während des Novemberpogroms 1938 wird er verhaftet und bis zum 26. November 1938 in das KZ Buchenwald gebracht. Sein Gewerbeschein wird ihm entzogen und seine Auswanderungspläne in die USA oder nach England scheitern.

Überleben in Chemnitz

1939 muss er in das „Judenhaus“ Zöllnerstraße 6 umziehen. Seit Juli 1941 ist er Gemeinde- und Kultusdiener sowie Heizer in der Jüdischen Kultusvereinigung, seit März 1942 muss er Zwangsarbeit in der Beleuchtungskörperfabrik „E. F. Barthel“ in Altchemnitz als Metallhilfsarbeiter leisten. Später lebt er im „Judenhaus“ Hermann-Fischer-Straße 5 (ehemals Zimmerstraße). Durch seine Ehe mit einer nicht-jüdischen Frau wird er nicht deportiert.

Nach dem Krieg

Nach Kriegsende kommen Fechenbach und seine Frau in Ebersdorf unter. Ab Juni 1945 wohnen sie am Stiftsweg 107. In diese Wohnung lädt Fechenbach zur Gründungsversammlung der Jüdischen Gemeinde Chemnitz ein, die er organisiert. Die Versammlung wählt ihn zum Vorsitzenden.

Er arbeitet als Gewerkschaftsleiter beim Freien Deutschen Gewerkschaftsbund und ist außerdem Vorsitzender des Antifaschistisch-Demokratischen Blocks in Chemnitz. Im April 1949 muss er aufgrund einer Erkrankung als Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zurücktreten. Er kämpft mit Selbstmordgedanken und hält sich im Mai 1949 in der Nervenklinik Chemnitz auf. Einen Monat später wird er in den neuen Vorstand der Jüdischen Gemeinde als 1. Beisitzender für kulturelle Belange gewählt.

Doch im Sommer 1949 meldet er sich nach Berlin (West) ab, wo er zu Beginn bei seinem Sohn unterkommt. Am 27.11.1967 stirbt er ebendort und wird auf dem Jüdischen Friedhof Heerstraße in Berlin beigesetzt.