Salomon Sterinberg
Gemeindevorstand
* 06.07.1893 in Chemnitz
✡ 01.03.1968 in Karl-Marx-Stadt
Leben und Wirken
Salomon wird am 6. Juli 1893 als Sohn des kaufmännischen Agenten Haskal Sternberg und Chava Sternberg geboren. Von 1908 bis 1911 besucht er die Öffentliche Handelslehranstalt in Chemnitz. Ab da arbeitet er bis 1934 als Angestellter der jüdischen Firma „Brüder Neumann“ (Strumpf- und Handschuhexport). Im Mai 1922 stirbt sein Vater, zehn Jahre später seine Mutter.
Am 06.12.1934 heiratet er die drei Jahre jüngere Verkäuferin Margarethe Helene Naumann aus Chemnitz, die für die Papier- und Bürobedarfsgroßhandlung Alexander Wiede tätig ist. Hier entscheiden sich die Eheleute für die Umänderung des Nachnamens zu „Sterinberg“. Die Ehe bleibt kinderlos. 1935 arbeitet Salomon als Versandleiter.
Zeit im Nationalsozialismus
Während des Novemberpogroms 1938 befindet er sich „im Versteck“. Sein Gewerbebetrieb wird im „Verzeichnis der jüdischen Industrie- und Großhandelsbetriebe“, erstellt durch die Industrie- und Handelskammer Chemnitz, aufgelistet, was im Januar 1939 zu dessen Liquidation führt. Ab da an leistet er Hilfsarbeiten im Hoch- und Tiefbau.
Nach der Sicherungsanordnung über Vermögen im April 1939 muss er Zwangsarbeiten im Gärtnereibaubetrieb Fritz Todt in Siegmar–Schönau, sowie in der Beleuchtungskörperfabrik E. F. Barthel in Altchemnitz leisten. Das Ehepaar muss mehrmals in „Judenhäuser“ zwangsumziehen: erst in die heute nicht mehr existente Kurt-Günther-Straße 33 (Reitbahnviertel), dann in die Apollostraße 18 (Zentrum).
Im Juni 1941 dehnt sich die Sicherungsanordnung auch auf Salomons Ehefrau aus, die Zwangsarbeiten leisten muss: erst mit Reinigungsarbeiten, später in der Josef Witt Spinnerei.
Am 14. Februar 1945 wird Salomon Sterinberg nach Theresienstadt deportiert. In seiner Zeit dort muss er Aufräumungs- und Lagerarbeiten leisten, und wird als Wachmann (Ghettowache) eingesetzt. Später bezeichnet er sich als „politischer Häftling“.
Zurück in Chemnitz
Am 9. Juni 1945 kehrt er zurück nach Chemnitz. Sein ehemaliges Wohnhaus ist ausgebombt, also findet er Unterkunft bei seinen Schwiegereltern in der späteren Rembrandtstraße. Er nimmt an freiwilligen Arbeitseinsätzen in der Stadt teil, wird Mitglied der SPD und am 7. September 1945 Gründungsmitglied der Jüdischen Gemeinde Chemnitz, in dessen Vorstand er 1947 gewählt wird. 1950 wird er in den Beirat des Verbandes der Jüdischen Gemeinden in der DDR gewählt.
Arbeit findet Sterinberg von 1946 bis 1951 als Kanzleiassistent beim Finanzamt Chemnitz, danach als Buchhalter beim Rat des Stadtbezirkes I. Das Ministerium für Staatssicherheit versucht zwischen 1957-59 erfolglos, seine Wohnung als Konspirative Wohnung anzuwerben. Im Frühjahr 1961 gibt Salomon krankheitsbedingt alle Ämter auf.
Am 1. März 1968 stirbt er in Karl-Marx-Stadt und wird auf dem Jüdischen Friedhof der Stadt beigesetzt. 1974 stirbt seine Witwe ebenfalls dort und wird im Grabe ihres Ehemannes beigesetzt.

