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Hans-Peter Gurau (Shimon Giora)

Von Chemnitz nach Israel

* 03.07.1922 in Chemnitz
✡ 08.12.1989 in Kirjat Tiw'on (Israel)

Leben und Wirken

Über das Aufwachsen von Hans-Peter Gurau ist nicht viel bekannt. Am 3. Juli 1922 wird er als Sohn der Kaufmanns-Eheleute Gustav Gurau und Erna Schmitz geboren. Er hat einen jüngeren Bruder. Der Vater eröffnet im Jahr 1913 ein Herren-Artikel-Geschäft in der Poststraße 7. Wohnhaft ist die Familie in der Heinrich-Beck-Straße 3 auf dem Kaßberg.

Hans-Peter besucht die Henrich-Beck-Schule und die Israelitische Religionsschule in Chemnitz, anschließend beginnt er eine Lehre zum Textilien-Wirker. Am 24. August 1935 feiert er seine Bar Mitzwa in der ehemaligen Synagoge am Stefansplatz.

Zeit im Nationalsozialismus

Als am 1. April 1933 in Chemnitz zum „Boykott jüdischer Geschäfte, Rechtsanwälte und Ärzte“ aufgerufen wird, leidet auch das väterliche Geschäft darunter. Der Verlust fast sämtlicher Kunden führt zur Löschung aus dem Handelsregister im April 1938. Drei Monate später wird der Antrag des Vaters auf Ausstellung einer Gewerbelegitimationskarte als Vertreter für Textilwaren, Reklameartikel, Schreibmaschinen und Zigarren abgelehnt.

Am 10. Mai 1942 werden die Eltern in das Ghetto Bełżyce bei Lublin deportiert und dort ermordet.

Bruder Klaus

Der Bruder, Klaus, wird erst in das Israelitische Kinderheim in Leipzig überstellt, dann wandert er am 22.12.1938 nach Holland aus. Dort lebt er im Versteck der aus Dresden stammenden Quäkerfamilie Pollatz in Harlem. 1942 wird Klaus verhaftet und nach Auschwitz deportiert, wo er am 5. September 1942 stirbt.

Hans-Peter

Hans-Peter wird durch die Reichsvereinigung der Juden in Deutschland nach Paderborn zur Umschulung (Landwirtschaft) geschickt. 1940 tritt er in ein Hachschara-Lager (hebr. Vorbereitung) auf Gut Skaby, Friedersdorf ein, um auf die Auswanderung nach Palästina vorbereitet zu werden. Später zieht er ins Lehrgut Schocken in Winkel, Spreenhagen. Dort wird aufgrund eines Arbeitsunfalls sein rechter Arm amputiert. 1941 wird er in das Landwerk Neuendorf verlegt.

Deportation

Im April 1943 heiratet er Frieda Horwitz aus Bad Dürkheim. Die Eheleute werden ein paar Tage später mit weiteren 153 Bewohnern des Landwerkes verhaftet und nach Berlin überführt, wo sie mit dem 37. Osttransport in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert werden. Sie werden in das Lager zum Aufbau des IG Farben-Werkes Buna Monowitz aufgenommen – Frieda stirbt dort.

Ab Januar 1945 wird Hans-Peter zu Todesmärschen und Aufenthalten im KZ Groß-Rosen sowie im KZ Buchenwald gezwungen.

Befreiung

Im April 1945 erlebt er die Befreiung in Buchenwald und wird am 6. Mai 1945 aus dem Lager entlassen. Im Fragebogen der amerikanischen Militärverwaltung wird zu seiner Familie festgehalten: "all relatives killed by the Nazis" [alle Angehörigen von den Nazis ermordet].

Er bleibt bis zum 13. Juli im alliierten Gefangenenlager Immendorf bei Koblenz. Nach seiner Freilassung zieht er nach Leipzig.

Zurück in Chemnitz

Nach einem kurzen Aufenthalt in Leipzig kehrt Hans-Peter Gurau nach Chemnitz zurück. Am 7. September 1945 wird er Gründungsmitglied der Jüdischen Gemeinde Chemnitz, bleibt aber nicht lang in der Stadt. Kurzzeitig ist er in Berlin gemeldet.

Im September 1945 arbeitet er auf dem Landgut Gehringsdorf bei Fulda, das bald in Kibbuz Buchenwald umbenannt wird. Er ändert seinen Namen in Shimon Giora und wandert über Antwerpen an Bord des illegalen Flüchtlingsschiffs „Tel Hai“ in das Britische Mandatsgebiet Palästina aus.

Dort lebt er als Landwirt im Kibbuz Netzer. Er heiratet Shoshana (Rosa) Magier und bekommt mit ihr zwei Kinder. 1960 wird er im Zuge der Ermittlungen für den Frankfurter Auschwitz-Prozess als Zeuge vernommen.

1962 lässt er sich in Kirjat Tiw'on nieder, wo er am 13. September 1989 stirbt.