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Logo "Tacheles - Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen 2026". Links ist eine halbe Menorah in blauen Farbtönen zu sehen.

Leo Sonder

Nach Zwangsarbeit und Auschwitz zurück nach Chemnitz

* 03.03.1899 in Mainstockheim (Unterfranken)
✡ 06.01.1949 in Chemnitz

Leben und Wirken

Leo Sonder wird als Sohn des Fleischermeisters Simon Sonder in Mainstockheim bei Kitzingen (Unterfranken) geboren. Nach dem Besuch der dortigen Realschule fängt er eine kaufmännische Lehre an, bevor er in den Heeresdienst des Ersten Weltkriegs eintritt. Im August 1918 erleidet er einen Lungenschuss, den er überlebt. Er wird aus dem Militär entlassen und beendet seine Lehre.

Am 29. Dezember 1924 heiratet er Cäcilie (genannt Zita) Stern in Würzburg – aus der Ehe geht der Sohn Justin hervor. Seit März 1923 lebt die Familie in Chemnitz-Kaßberg in der Germaniastraße 12 (heute Rudolf-Breitscheid-Straße). Hier ist Leo gemeinsam mit seinem Bruder Berthold Sonder sowie mit Siegfried Fleischmann als Wein- und Spirituosengroßhändler tätig. Das Geschäft wird im Juni 1927 aufgelöst - ab da ist Leo als Reisender im Auftrag der Weingroßhandlung „S. Sonder & Co.“ in Kitzingen unterwegs.

Zeit im Nationalsozialismus

Sein Gewerbeschein wird ihm im September 1938 entzogen. Während des Novemberpogroms 1938 flieht er aus Chemnitz zu Bekannten in der Sächsischen Schweiz und entgeht so der Verhaftung. Kurze Zeit später kehrt er zurück, wohnt in der Lindenstraße 1 (ehemals im Zentrum) und leistet Zwangsarbeiten im Wald, dann in einer Ziegelei und zuletzt in der Beleuchtungskörperfabrik E. F. Barthel in Altchemnitz. 1940 wird er gezwungen, in das „Judenhaus“ Zschopauer Straße 74 (Bernsdorf) umzuziehen, 1942 in das „Judenhaus“ Apollostraße 18 (Zentrum).

Im September 1942 werden Leo und seine Ehefrau Cäcilie nach Theresienstadt deportiert, im Januar darauf nach Ausschwitz geschickt. Dort überlebt Leo als „Schlosser“ und wird im Steinbruch- und Transportkommando zur Arbeit gezwungen – Cäcilie überlebt nicht.

Todesmärsche und Befreiung

Bis zum 18. Januar 1945 befindet er sich im Lager, danach muss er Todesmärsche unter anderem nach Sachsenhausen, Flossenbürg, Natzweiler und Dachau begehen.

Am 1. Mai 1945 wird er von der US Army befreit . Im Juni 1945 kehrt Leo mit seinem Sohn Justin nach Chemnitz zurück.

Zurück in Chemnitz

In Chemnitz tritt Sonder der SPD bei und gründet die Jüdische Gemeinde mit. Am 17.11.1945 heiratet er Hertha Müller, die Tochter des früheren sächsischen Innenministers Max Müller.

1946 übernimmt er die kommissarische Leitung einer Wäscherei, die er im Juli 1947 käuflich übernimmt. Leo wird 1948 in den Vorstand der Jüdischen Gemeinde als Sachbearbeiter für den Gemeindefriedhof gewählt. Zuletzt wohnt er in der Franz-Mehring-Straße 16 (Kaßberg) in Chemnitz.

Am 6. Januar 1949 stirbt er ebendort an einem Herzinfarkt und wird auf dem Jüdischen Friedhof beigesetzt. 1992 stirbt seine Witwe Hertha Studnitzka.

In Gedenken an Leo Sonder wird am 07.05.2021 ein Stolperstein vor dem Haus Zschopauer Straße 74 verlegt, wo bereits 2007 ein Stein für die in Auschwitz ermordete Cäcilie (Zita) Sonder eingesetzt wurde.