Klara Fiedler
Die letzte Jüdin Mittweidas
* 31.08.1879 in Speyer (Rheinland-Pfalz)
✡ 27.05.1959 in Mittweida
Leben und Wirken
Es ist nicht viel über das frühe Aufwachsen von Klara Fiedler (geb. Adler) bekannt. Als Tochter einer alteingesessenen jüdischen Familie in Speyer heiratet sie am 16. Mai 1907 den christlichen Kaufmann Adam Karl Eduard Fiedler aus Issigau (Oberfranken). Ein Jahr später kommt der gemeinsame Sohn Johannes Karl Eduard auf die Welt.
Die Familie lebt zunächst in Issigau, zieht aber im Oktober 1924 geschäftsbedingt nach Mittweida. Ihr Mann und sein Bruder Heinrich werden später die Aktienmehrheit der Aktien-Bierbrauer AG in Mittweida übernehmen. Das Haus der ehemaligen Immelmannstraße 9 (heute Grüner Winkel) befindet sich ab August 1937 im Familienbesitz.
Zeit im Nationalsozialismus
Laut den Nürnberger-Gesetzen lebt Klara Fiedler in einer „privilegierten Mischehe“, da sie als Jüdin einen Nicht-Juden geheiratet hat. Als die letzten Mittweidaer Juden 1942 deportiert werden, ist sie deswegen die „einzige Jüdin“ in der Stadt. Ihr Sohn muss 1945 in Minzig bei Meißen Zwangsarbeit leisten.
Im gleichen Jahr wird auch sie nach eigenen Angaben „am 13. Februar 1945 durch die Geheime Staatspolizei Leipzig nach [...] Theresienstadt deportiert. Unter strenger Bewachung wurde ich zusammen mit anderen Leidensgenossen in Güterwagen, wo wir vier Tage nichts zu essen bekamen, abtransportiert. Die Behandlung [...] war schlecht, die Ernährung menschenunwürdig, wodurch ich mehrmals völlig entkräftet zusammenbrach“. Im Ghetto Theresienstadt leistet sie Hilfsarbeiten.
Zurück in Mittweida
Nach ihrer Befreiung kehrt Fiedler im Juni 1945 nach Mittweida zurück. Im September 1945 wird sie Gründungsmitglied der Jüdischen Gemeinde Chemnitz und unterstützt den Gemeindevorstand mit Auskünften über Mittweidaer Juden.
Am 27.05.1959 stirbt Klara Fiedler in Mittweida. Eingeäschert wird sie am 01.06.1959 in Karl-Marx-Stadt, die Urne fünf Tage später nach Issigau überführt. Wohnhaft ist sie bis zuletzt in Mittweida, Grüner Winkel 9.
Ihr Witwer bemüht sich bis zu seinem Tod im September 1960 vergeblich um eine Anerkennung als VdN-Hinterbliebener. Er stirbt am 12.09.1960 in Mittweida

