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Logo "Tacheles - Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen 2026". Links ist eine halbe Menorah in blauen Farbtönen zu sehen.

Justin Sonder

Eine Bank auf dem Brühl

* 18.10.1925 in Chemnitz
✡ 03.11.2020 in Chemnitz

Leben und Wirken

Justin Sonder wird am 18. Oktober 1925 als Sohn des Ehepaars Leo und Zita Sonder in Chemnitz geboren. Die Familie lebt auf dem Sonnenberg. Bis 1938 besucht er die Lessingschule, danach die Höhere Israelitische Schule (auch Ephraim-Carlebach-Schule) in Leipzig. Seine Bar Mitzwa ist für den 29. Oktober 1938 vorgesehen, wird aber nicht durchgeführt.

Zeit im Nationalsozialismus

Von April bis Oktober 1941 wohnt er in Berlin und beginnt eine Lehre als Koch. Als er nach Chemnitz zurückkehrt, muss er sofort Zwangsarbeit in der Beleuchtungskörperfabrik E. F. Barthel in Altchemnitz leisten, wo er in einer Spritzerei eingesetzt wird. Außerdem muss er in das „Judenhaus“ Zschopauer Straße 74 zwangsumziehen, später in das „Judenhaus“ Hermann-Fischer Straße 5 (ehemals Zimmerstraße, heute überbaut).

Am 27. Februar 1943 wird Justin Sonder verhaftet und ein paar Tage später über das "Judenlager" Hellerberg bei Dresden nach Auschwitz deportiert.

Befreiung

Bis zum 18. Januar 1945 befindet er sich im Lager – er überlebt es als Schlosser und wird im Schacht- und Transportkommando eingesetzt. Die darauffolgenden Todesmärsche, u.a. nach Sachsenhausen, Flossenbürg und Natzweiler, übersteht er, bevor er in Wetterburg bei Regensburg von der US Army befreit wird.

Am 9. Juni 1945 kehrt er mit seinem Vater Leo nach Chemnitz zurück.

Zurück in Chemnitz

In Chemnitz tritt Sonder der SPD bei und gründet die Jüdische Gemeinde mit. Im Oktober 1945 wird er Revierschutzmann auf Prüfung, danach Wachtmeister in Chemnitz. 1947 wird er in den Kriminaldienst übernommen. Am 18. Oktober 1950 tritt er aus der Jüdischen Gemeinde aus.

1952 heiratet er Marga Uhlig, mit der er drei Kinder hat.

Kurz ist er in leitender Stellung bei der Kriminalpolizei tätig. In den 1960er Jahren studiert er Jura an der Humboldt-Universität in Berlin und wird später Dezernatsleiter für schwere Verbrechen in Chemnitz.

1987 sagt er vor dem Bezirksgericht Dresden im Prozess gegen den früheren SS-Mann und Gestapo-Kommissar Henry Schmidt aus, der die Deportationen aus Dresden organisierte.

Ehrenbürger und eine Bank

Im April 2017 wird ihm die Ehrenbürgerschaft der Stadt Chemnitz verliehen. Im gleichen Jahr stirbt seine Ehefrau. Zuletzt wohnt er in der Ulmenstraße 57 (Kaßberg). Er stirbt am 3. November 2020 in Chemnitz im Alter von 95 Jahren und wird auf dem Städtischen Friedhof beigesetzt.

Zu seinem Ehren wird am 9. November 2024 eine Gedenkbank auf dem Chemnitzer Brühl eingeweiht.