Hulda Großmann
Neumarkt 10
* 23.09.1874 in Marisfeld/Themar
✡ 26.12.1948 in Berlin
Leben und Wirken
Hulda Großmann (geb. Bär) wächst in Marisfeld bei Themar im Kreis Hildburghausen auf. Am 05. August 1895 heiratet sie den Kaufmann Julius Großmann, mit dem sie vier Kinder hat. Zu der Zeit lebt die Familie in Chemnitz und Hulda ist als Hausfrau tätig. Im November 1916 stirbt der Sohn Herbert im Ersten Weltkrieg an der Westfront, 1932 stirbt Huldas Ehemann. Der Sohn Richard wandert im Juni 1934 nach Paris aus.
Zeit im Nationalsozialismus
Die Familie lebt bis Juli 1942 im Chemnitzer Haus Neumarkt 10, das seit fast 35 Jahren im Besitz der Familie Großmann ist. Im Januar 1939 erhält Hulda eine Sicherungsanordnung über Vermögen. Die Familie muss im August das Haus an die Firma Moritz Lippmann (Werkstätte für Wohnkunst) zwangsverkaufen, und 1942 in das „Judenhaus“ Zöllnerstraße 6 zwangsumziehen.
Deportationen
Die Auswanderungspläne in die USA scheitern. Ihre Kinder werden an verschiedene Orte deportiert und ermordet:
Tochter Elli (* 20.01.1899) wird am 09.05.1942 von Eisenach aus ins Ghetto Bełżyce deportiert. Der Zug hält einen Tag in Weimar, fährt später weiter nach Leipzig und Chemnitz, wo weitere Menschen zusteigen müssen. Von der Deportation aus Eisenach sind Fotos erhalten. Ob darauf auch Elli Stern zu sehen ist, bleibt unklar.
Tochter Henny wird vermutlich in Auschwitz ermordet, der Sohn Richard wird von Frankreich aus ins Vernichtungslager Sobibór deportiert und ermordet.
Theresienstadt
Hulda Großmann wird am 8. September 1942 nach Theresienstadt deportiert. Sie überlebt und kehrt im Juni 1945 nach Chemnitz zurück.
Zurück in Chemnitz
In Chemnitz wohnt Hulda nun am Gerhart-Hauptmann-Platz 1 (Kaßberg). Genau drei Jahre nach ihrer Deportation nach Theresienstadt gründet sie die Jüdische Gemeinde Chemnitz mit. Mit fast 71 Jahren ist sie die älteste Anwesende.
1947 siedelt sie nach Berlin über und ist kurz wohnhaft in der Iranischen Straße 4, bevor sie in ein Jüdisches Altersheim zieht. Infolge einer Krebserkrankung wird sie in das Jüdische Krankenhaus eingeliefert. Am 26. Dezember 1948 stirbt sie in Berlin und wird vier Tage später in einem namenlosen Grab auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee beigesetzt.


