Erich Wangenheim
Von Chemnitz nach Israel
* 23.04.1884 in Chemnitz
✡ 05.08.1955 in Tel Aviv (Israel)
Leben und Wirken
Erich Wangenheim kommt als Sohn der Kaufmannseheleute Theodor Wangenheim und Johanna Ida Joachimsthal in Chemnitz zur Welt. Nach dem Besuch des Realgymnasiums beginnt er eine kaufmännische Lehre in Frankfurt am Main. Weitere Ausbildung erhält er im Ausland. Seit Juni 1912 ist er Mitinhaber der väterlichen Wäschefabrik, ein Jahr später heiratet er die sechs Jahre jüngere Haustochter Emilie Ellen Tuchler aus Dresden – die Ehe bringt 1916 einen Sohn hervor.
Im Ersten Weltkrieg wird Wangenheim als Frontsoldat (Unteroffizier) eingesetzt, wo er sein linkes Bein einbüßt. In Chemnitz wird er Vorsitzender der Ortsgruppe des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten (1931-1932). Als sein Vater 1925 stirbt, wird er Alleininhaber der Wäschefabrik auf der heute nicht mehr existenten Langen Straße 46 (Zentrum). Bis 1938 wohnen seine Mutter, die Kommanditistin der Wäscherei wird, und er in der Agricolastraße 13 (Kaßberg).
Zeit im Nationalsozialismus
Als im April 1933 in Chemnitz zum „Boykott jüdischer Geschäfte, Rechtsanwälte und Ärzte“ aufgerufen wird, leidet auch das Wäschegeschäft Theodor Wangenheim darunter. Durch den Verlust eines Großteils der Kunden geht dieses vorübergehend in Konkurs – er muss das Geschäft noch im selben Jahr aufgeben. Erich Wangenheim wird Mitglied der Gemeindevertretung der Israelitischen Religionsgemeinde (Schulkommission) und übernimmt Buchführungsarbeiten.
Während des Novemberpogroms wird er verhaftet und bis zum 26.11.1938 im KZ Buchenwald gehalten.
Deportation
Im März 1936 wählt man ihn zum Vorsitzenden der Israelitischen Religionsgemeinde, im Oktober 1939 folgt die Ernennung zum Vorsitzenden der Jüdischen Kultusvereinigung in Chemnitz. Ab Februar 1940 verwaltet Erich das Jüdische Altersheim am Antonplatz, mit welchem er drei Jahre später einen „Heimeinkaufsvertrag“ abschließt. Bis 1943 wohnt er mit seiner Frau im „Judenhaus“ Apollostraße 18.
Seine Mutter Johanna wird im September 1942 ins Ghetto Theresienstadt deportiert und stirbt dort vermutlich am 30. Oktober. Am 29. März 1943 werden auch Emilie und Erich Wangenheim nach Theresienstadt deportiert. Emilie stirbt am 21. März 1944.
Zurück in Chemnitz
Erich wird befreit und kehrt am 13.06.1945 nach Chemnitz zurück. Dort wohnt er fortan im Hotel „Hermann“ (Königsstraße 38, heute Straße der Nationen) und gründet die Jüdische Gemeinde mit.
An der Gartenstraße 29 (Chemnitz-Rabenstein) eröffnet er ein Textilwarengeschäft („Magazin für die Rote Armee“). Er gerät in einen Zwist mit der Betreuungsstelle für politische Gefangene und schließt 1948 das Geschäft wieder. Im Juli 1946 wird die Krankenschwester Gertha Sand aus Berlin als seine Pflegerin eingesetzt. Zusammen mit ihr zieht Erich im Januar 1949 nach München um und wandert dann zu seinem Sohn Gustav nach Israel aus.
Am 5. August 1955 stirbt er in Tel Aviv (Israel).



