Erich Jacobsohn
Zeuge der Anklage
* 02.03.1893 in Bublitz (Pommern)
✡ 01.12.1970 in Karl-Marx-Stadt
Leben und Wirken
Am 2. März 1893 wird Jacobsohn als Sohn des Kaufmanns Moses Jacobsohn in Bublitz (Pommern) geboren. Im ehemals preußischen Lobsens (heute Łobżenica, Polen) besucht er die Volksschule, später in Graudenz (heute Grudziądz, Polen) die Handelsschule. Anschließend schließt er eine Lehre als Handlungsgehilfe der Metallbranche ab. Im Ersten Weltkrieg dient er als Frontsoldat.
1920 gibt er im Herbst seine Heimat infolge territorialer Neuordnungen nach dem Weltkrieg auf und siedelt nach Chemnitz über, wo er als Handelsvertreter für Eisenwaren und als Webwarenhändler tätig ist. Am 21.03.1925 heiratet er die acht Jahre jüngere Chemnitzer Kontoristin Klara Marie Fischer. Ein Jahr später wird die gemeinsame Tochter geboren.
Zeit im Nationalsozialismus
1938 wird Erich Jacobsohn der Gewerbeschein entzogen. Seine Auswanderungspläne in die USA scheitern. Während des Novemberpogroms 1938 wird er verhaftet und verbringt knapp einen Monat im KZ Buchenwald. Danach findet er nur stundenweise Beschäftigung, unter anderem als Transportarbeiter. Laut der Sicherungsanordnung über Vermögen im Juli 1939 ist er „nie im Besitz eines Vermögens“, stellenlos und lebt von der Jüdischen Wohlfahrt mit wöchentlich 15,70 Reichsmark.
Er muss Zwangsarbeit im Gärtnereibetrieb Fritz Todt und in der Beleuchtungskörperwarenfabrik E. F. Barthel in Altchemnitz ableisten. Im April 1940 verstößt er gegen Auflagen der Sicherungsanordnung und es wird ein Unterwerfungsverfahren durch eine Geldstrafe eingeleitet. Die Sicherungsanordnung dehnt sich auch auf seine Ehefrau aus, die 1944 zusammen mit der gemeinsamen Tochter einen Verpflichtungsbescheid als Hilfsarbeiterin für die Josef Witt Spinnerei (Schulstraße 38, Altchemnitz) erhält.
Am 14. Februar 1945 wird Erich nach Theresienstadt deportiert, wo er bis zu seiner Befreiung Wachdienste leisten muss.
Zurück in Chemnitz
Erich Jacobsohn kehrt am 9. Juni 1945 nach Chemnitz zurück und verbleibt zunächst ohne Beschäftigung. Er tritt der SPD bei, im September wird er Gründungsmitglied der Jüdischen Gemeinde Chemnitz, und ab Oktober ist er Angestellter bei der Bahnpost in Chemnitz.
Im Januar 1948 ist er Zeuge der Anklage im Strafverfahren des Landgerichts Chemnitz gegen den Gartenbauingenieur Fritz Todt und dessen Vorarbeiter Paul Georg Lang. Der Betrieb Todt hatte eine Anzahl jüdischer Zwangsarbeiter zugewiesen bekommen. Das Urteil lautete auf sechs Jahre Gefängnis für Lang und vier Jahre Gefängnis für Todt. Wegen dauernden Disziplinwidrigkeiten und Auseinandersetzungen mit Lang war Max Pinkus, ein jüdischer Zwangsarbeiter, an die Gestapo gemeldet worden, was dessen umgehende Deportation zur Folge hatte. Pinkus kehrte nie mehr zurück. Er wurde in Auschwitz ermordet.
Im August 1961 versucht das Ministerium für Staatssicherheit erfolglos, seine Wohnung als Konspirative Wohnung anzuwerben.
Nachdem seine Frau am 16.03.1963 stirbt, kommt er bei seiner Tochter in der Hans-Sachs-Straße 38 (Lutherviertel) unter. Erich Jacobsohn stirbt am 1. Dezember 1970 in Karl-Marx-Stadt und wird auf dem jüdischen Friedhof im Ortsteil Altendorf beigesetzt.
