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Logo "Tacheles - Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen 2026". Links ist eine halbe Menorah in blauen Farbtönen zu sehen.

Albert Epstein

Tietz, Stoffe, Knopffabrik

* 20.10.1880 in Goch (Nordrhein-Westfalen)
✡ 26.04.1964 in Frankfurt (Main)

Leben und Wirken

Über das frühe Leben von Albert Epstein ist nicht viel bekannt. Sein Vater ist der Fleischermeister Leopold Epstein. Zusammen mit seiner Familie wächst er in der Rheinprovinz, zeitweilen in Siegen/Westfalen auf, bis er im Ersten Weltkrieg an der Front dient – dort erleidet er einen Lungenschuss.

Seit Januar 1926 lebt er in Chemnitz und arbeitet bis Ende 1932 als Abteilungsleiter im Chemnitzer Warenhaus „H. & C. Tietz“. Anfang 1933 ist Epstein Mitinhaber der Firma „Epstein & Co.“ (Friedrichstraße 19), einer großen Stoffetage. Im gleichen Jahr vermählt er sich mit der Monteurtochter Johanna Selma Krause. Die Ehe bleibt kinderlos. Albert Epstein ist bekannt als „großzügiger Förderer“ der Israelitischen Gemeinde Chemnitz.

Zeit im Nationalsozialismus

Im Februar 1936 wird sein Geschäft durch einen nicht-jüdischen Teilhaber, der NS-Aktivist ist, übernommen. Daraufhin arbeitet er als Vertreter im Seiden- und Wollstoff-Großhandel. Während des Novemberpogroms 1938 wird er verhaftet und für einen Monat in das KZ Buchenwald deportiert. Im darauffolgenden Jahr muss er zwangsweise ins Chemnitzer „Judenhaus“ Dresdner Straße 66 (Zentrum) umziehen – seine Auswanderungspläne nach Schanghai scheitern.

Ab November 1940 muss er Zwangsarbeit als Waldarbeiter, Ziegeleiarbeiter und in der Beleuchtungsfabrik E.F. Barthel in Altchemnitz leisten. Seine Ehefrau wird in der Zwischenzeit wegen „schwarzseherischer Äußerungen“ in Untersuchungshaft gehalten, danach aus ihrem Bürodienst entlassen, und muss erniedrigende Zwangsarbeit in der Josef Witt Spinnerei leisten – unter anderem durch Hülsen sortieren und Säle kehren.

Nach den Luftangriffen im Februar 1945 verschwindet sie im Untergrund. Albert hingegen wird am 14.02.1945 in das Ghetto Theresienstadt deportiert, welches einige Monate später befreit wird.

Zurück in Chemnitz

Am 9. Juni 1945 kehrt er nach Chemnitz zurück und wird im September Gründungsmitglied der Jüdischen Gemeinde Chemnitz. Danach arbeitet er als kommissarischer Treuhänder der ehemals jüdischen Knopffabrik „M. Alfred Mißbach“ (vormals Gustav Büchler) in Steinbach bei Jöhstadt. 1947 kauft er die Knopffabrik, die nun als „Steinbacher Knopffabrik Albert Epstein“ firmiert.

Im Sommer 1949 ist er vorübergehend Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Chemnitz. Im Herbst dieses Jahres zieht er berufsbedingt nach Steinbach um, meldet jedoch 1950 sein Gewerbe der Knopffabrik ab.

Mit seiner Ehefrau siedelt er 1953 nach Berlin (West) um, anschließend nach Wiesbaden. Seit Oktober 1958 lebt er in Sprendlingen (Dreieich, Hessen). Bis zu seinem Tod im April 1964 bleibt er Ehrenmitglied der Jüdischen Gemeinde Karl-Marx-Stadt und wird auf dem Jüdischen Friedhof in Frankfurt (Main) beigesetzt. Seine Witwe stirbt 1993 in Modautal (Hessen).