Aladar Reizmann
Ungarischer Widerstandskämpfer
* 12.05.1896 in Budapest (Ungarn)
✡ 31.10.1948 in Karl-Marx-Stadt
Leben und Wirken
Aladar wächst in Ungarn auf und arbeitet als Kunstgewerbler, Bauschlosser und Metalldrucker. Seit 1915 ist er Mitglied der ungarischen Sozialdemokratie und gewerkschaftlich sowie genossenschaftlich aktiv. Er nimmt 1918/19 an der bürgerlich-demokratischen Revolution in Ungarn teil und wird nach dem Sturz der Räteregierung zwei Jahre im Lager Hajmáskér in Ungarn interniert.
Danach flieht er nach Österreich, von dort aus 1923 nach Deutschland. Hier ist er als Mechaniker bzw. Metalldrucker tätig, sowie als Fotograf für die Arbeiterpresse und ehrenamtlich als Lichtbildner und Bildreporter für die Chemnitzer „Volksstimme“. Er wird außerdem Mitglied in der Arbeiterwohlfahrt und im Deutschen Metallarbeiter-Verband.
Im August 1928 heiratet er die Weberin Frida Anna Held aus Zschopau. Sie bringen zwei Söhne zur Welt.
Zeit im Nationalsozialismus
Als ungarischer Staatsbürger ist Aladar Reizmann am illegalen Kampf gegen das NS-Regime beteiligt, indem er Flugblätter und verbotene Zeitungen verteilt. Er ist außerdem Verbindungsmann zu einem Kreis von in der Tschechoslowakischen Republik (ČSR) lebenden Sozialdemokraten.
Bis 1942 lebte er in Deutschland mit manipulierten Papieren, die ihn als „Mischling 1. Grades“ führen. Über die Jahre wird er viermal verhaftet, unter anderem im Juni 1937 wegen Spionageverdachts. Im Juni 1942 wird er als „Judenfreund“ im Chemnitzer Gestapokeller (Kaßberg) misshandelt. Anschließend muss er Zwangsarbeiten in der Nadelfabrik Ebersbach & Kühn in Altchemnitz ableisten, seine Ehefrau wird in der Kunstseidenzwirnerei und Spulerei Mende & Hellge KG am Kapellenberg zwangseingesetzt.
Durch wiederholte Umzüge ist das Ehepaar der Verhaftung durch die Geheime Staatspolizei entgangen. Ihr letztes Wohnhaus in der Heinrich-Beck-Straße 7 (Kaßberg) wird im März 1945 ausgebombt und sie finden Zuflucht im Haus Am Bahrehang 5 (Borna-Heinersdorf). Aladar erkrankt außerdem an Tuberkulose. Sein Gesundheitszustand verbessert sich vorübergehend dank der Hilfe des jüdischen Artztes Dr. Adolf Lipp.
Nach dem Krieg
Nach Kriegsende gründet Aladar Reizmann die Jüdische Gemeinde Chemnitz mit und ist Mitarbeiter in der Betreuungsstelle „Opfer des Faschismus“ in Chemnitz. Er hält sich nach erneuter Erkrankung mit Tuberkulose regelmäßig in Sanatorien auf.
Infolge der Lungenerkrankung stirbt er am 31. Oktober 1948 im Städtischen Krankenhaus am Küchwald in Chemnitz und wird auf dem Gemeindefriedhof beigesetzt.
Seine Witwe Frida stirbt am 26. April 1978 und wird auf dem Ehrenhain der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) auf dem Städtischen Friedhof an der Wartburgstraße in Karl-Marx-Stadt beigesetzt. Die beiden Söhne sterben im April 2008 und im November 2021.
