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Logo "Tacheles - Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen 2026". Links ist eine halbe Menorah in blauen Farbtönen zu sehen.

Adolf Diamant

Von Auschwitz nach Palästina und Frankfurt

* 18.04.1924 in Chemnitz
✡ 23.05.2008 in Frankfurt (Main)

Leben und Wirken

Adolf Diamant wird 1924 als Kind der Kaufmannseheleute Hermann (Hersz) Diamant und Lore Silberstein mit polnischer Staatsangehörigkeit geboren. Er besucht die Bernsbachschule am Bernsbachplatz und wohnt in der Zschopauer Straße 47. Am 10. April 1937 feiert er seine Bar Mitzwa in der Synagoge am Stephanplatz, ein Jahr später beginnt seine Ausbildung an der Technischen Schule in Chemnitz. Nachdem er durch das Nazi-Regime einen Schulverweis erhält, fängt er eine Mechanikerlehre in der Strickmaschinenfabrik Sander & Graff AG an, die er jedoch wenige Jahre später wieder abbricht.

Zeit im Nationalsozialismus

Am 28. Oktober 1938 wird Adolf Diamant gemeinsam mit seinen Eltern und 335 weiteren Personen aus Chemnitz nach Polen ausgewiesen. Er findet Zuflucht bei Verwandten in Łódź und muss später mit seinen Eltern ins Ghetto Litzmannstadt ziehen. Seine Eltern werden in Auschwitz ermordet.

Adolf Diamant wird ebenfalls nach Auschwitz deportiert. 1944 wird er nach Braunschweig und ins KZ Salzgitter-Watenstedt verlegt. In Braunschweig leistet er Zwangsarbeit für die Büssing AG. Später durchläuft er die Lager Sachsenhausen, Oranienburg, Ravensbrück und zuletzt Wöbbelin bei Schwerin. Das KZ Wöbbelin wird am 2. Mai 1945 durch US-Truppen befreit und Adolf kehrt nach Chemnitz zurück.

Zurück in Chemnitz

Seine neue Wohnanschrift wird die Fichtestraße 22. Im September gründet er die Jüdische Gemeinde Chemnitz mit. Er arbeitet als Dolmetscher beim Polizeipräsidium Chemnitz (Revier 14), zieht aber wegen politischer Unstimmigkeiten mit der Polizei im November 1946 nach Berlin. Im Sommer 1947 verlässt er Deutschland und wandert nach Palästina aus. Dort tritt er 1948 in die israelische Armee ein und nimmt am Israelischen Unabhängigkeitskrieg teil.

1957 kehrt er nach Deutschland zurück. In Frankfurt (Main) arbeitet er als Journalist. Am 15.11.1965 heiratet er Maria Montag, mit der er bis zu ihrem Tod im Jahr 2000 liiert bleibt. In Chemnitz wird währenddessen 1967 ein Gedenkstein für seine ermordeten Eltern und 20 weitere Familienmitglieder auf dem Jüdischen Friedhof errichtet. 1961 wird er im Zuge der Voruntersuchen zum Frankfurter Auschwitz-Prozess als Zeuge vernommen. Er strengt außerdem ein Verfahren gegen den Büssing-Konzern an, für den er Zwangsarbeit leisten musste. Im Urteil von 1965 wird ihm eine Entschädigung zuerkannt, die sich letztlich nur auf 177,80 Mark beläuft.

Diamant wird Mitglied der Kommission für die Geschichte der Juden in Hessen. Ab 1970 veröffentlicht er Werke zur Regional- und Lokalgeschichte der Juden und Gestapo in Deutschland mit den Schwerpunkten Sachsen und Hessen, darunter die „Chronik der Juden in Chemnitz, heute Karl-Marx-Stadt“ (1970). In seinem Privatarchiv trägt er über 300.000 Einheiten zusammen. Heute lagert es im Zentrum für Antisemitismusforschung in Berlin.

Im November 1988 nimmt er an den Gedenkfeiern anlässlich des 50. Jahrestages der Novemberpogrome in Karl-Marx-Stadt teil und hält einen Vortrag in der Johanniskirche. Die Jüdische Gemeinde Chemnitz erwirbt im Jahr 2000 die Bibliothek von Adolf Diamant. Er wird im Mai 2002 als Ehrengast der Jüdischen Gemeinde und der Stadt Chemnitz bei der Einweihung der Neuen Synagoge am Kapellenberg eingeladen.

Im Mai 2008 stirbt er in Frankfurt (Main) und ist neben seiner Frau auf dem Neuen Jüdischen Friedhof beerdigt.